Projekt Privatsphäre: Mehr Anonymität beim Surfen

Das Netz ist gerade voll von „Citizenfour“. Der Film von Laura Poitras über Edward Snowden hatte am Wochenende Premiere in New York und kommt am 6. November in die deutschen Kinos. Der New Yorker hat einen langen interessanten Text über die Entstehung der Doku.

Der Film erinnert mich daran, meine To Do-Liste mit persönlichen Konsequenzen aus den Snowden-Leaks weiter umzusetzen. Ich will es den Geheimdiensten so schwer wie möglich machen, meine Daten auszuspähen. Das bedeutet in der Praxis vor allem, so wenig wie möglich die Dienste der großen amerikanischen Internet-Konzerne zu nutzen. Google, Facebook, Microsoft und Yahoo sind gesetzlich verpflichtet, der NSA Zugang zu ihren Daten einzuräumen. Außerdem gut: PGP-Verschlüsselung für E-Mails einrichten.

In den letzten Tagen habe ich versucht, meine Browser-Nutzung etwas sicherer zu machen. Hier liste ich auf, wie ich meinen Firefox-Browser konfiguriert habe. Ich bin sicher nicht der Erste, der auf diese Tools hinweist. Ich habe sie ja selbst nur bei verschiedenen Quellen zusammengesucht. Aber es schadet sicher nicht, wenn eine weitere Seite im Internet mit diesem Wissen gefüllt wird. Am Ende muss jeder seinen eigenen Kompromiss zwischen Datensicherheit und Komfort finden.

Cookies deaktiveren

Wenn du eine Website besuchst, speichert diese möglicherweise eine kleine Datei, ein Cookie, auf deinem Rechner. Diese Datei ermöglicht es der Seite, dich bei deinem nächsten Besuch wiederzuerkennen. In Firefox lässt sich die Nutzung von Cookies deaktivieren. Wie das geht, steht hier.
Viele Websites, wie Facebook, Twitter und Online-Banking-Portale, lassen sich ohne Cookies nicht nutzen. Wer Cookies ausschaltet, muss anschließend für jede dieser Seiten eine Ausnahmeregel hinzufügen. Das nervt am Anfang, aber nach ein, zwei Tagen hat man die wichtigsten Ausnahmen eingerichtet.

Anonymes Suchen

Startpage leitet deine Suchanfrage anonym an Google weiter und gibt die Ergebnisse wiederum an dich zurück. Google kann dein Suchprofil also nicht speichern und dir keine personalisierte Werbung anzeigen. Der Umweg bedeutet eine gewisse Verzögerung, die ich aber akzeptabel finde. In Firefox kannst du Startpage als Standard-Suchmaschine einrichten und dann deine Suchbegriffe direkt in die Adresszeile eingeben.

Sichere Verbindungen

Das Add-on HTTPS Everywhere wird von der Electronic Frontier Foundation herausgegeben. Es sorgt dafür, dass mit jeder Website eine HTTPS-Verbindung aufgebaut wird, sofern diese das ermöglicht.

Tracking-Dienste ausschalten

ghostery

Das Add-on Ghostery zeigt für jede angesurfte Website an, welche Tracking-Software dort verwendet wird. Mit solchen Werkzeugen sammeln Websiten Informationen über ihre Besucher, etwa Herkunftsland, verwendeter Browser und IP-Adresse. Diese Informationen ermöglichen Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers. Mit Ghostery kannst du jeden Tracker (nytimes.com nutzt bei meinem Test beispielsweise acht verschiedene) einzeln deaktivieren. Ich schalte nahezu alles ab. Bis auf die VG Wort – mit der verdiene ich schließlich einen Teil meines Geldes…

Der steinige Königsweg: Tor

Den besten Schutz vor Rückverfolgung im Netz bietet das Proxy-Netzwerk Tor. Prinzipiell lässt sich via Tor nicht zurückverfolgen, von welchem Rechner der Zugriff auf eine Website erfolgt. Völlige Sicherheit gibt es allerdings nicht. Um über Tor zu surfen, musst du einen eigenen Browser installieren, eine Modifikation des Firefox. Da der Traffic über drei Tor-Surfer geleitet wird, bist du damit relativ langsam unterwegs. Für den Alltag ist Tor daher aus meiner Sicht ungeeignet. Ich habe es aber installiert und eingerichtet, um für heikle Netz-Missionen darauf zurückgreifen zu können. Was du wissen solltest: Die NSA hält alle Tor-Nutzer für Extremisten.

Eine weitere, allerdings nicht ganz billige Möglichkeit zum anonymen Surfen sind VPN-Netzwerke. Mehr dazu hier.

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