The German Energiewende

Vor knapp zwei Wochen, der aufmerksame Zeitungsleser weiß es vielleicht, haben 36 Nobelpreisträger am Bodensee eine Erklärung zum Klimaschutz unterschrieben. Am Tag vorher gab es eine Pressekonferenz mit dem Initiator Brian Schmidt und vier weiteren Nobels: Pete Doherty, David Gross, George Smoot und dem ehemaligen US-Energieminister Steven Chu.

Steven Chu unterzeichnet die Mainau Declaration. Foto: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Steven Chu unterzeichnet die Mainau Declaration. Foto: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Die Herren hören sich alle ziemlich gern reden (Schmidt versuchte das einzudämmen, aus seiner Sicht hätte es gereicht wenn er selbst viel redet), und so war man bald über dem angesetzten Zeitlimit und es wurde schon mehrfach angekündigt, das sei nun wirklich die letzte Frage.

Ich wollte noch wissen, was die Herren eigentlich über die deutsche Energiewende denken. Kurz vorher kam ich aus Amerika zurück, wo ich mehrmals darauf angesprochen wurde. Ich traf mitten im Urwald eine Wanderin, und nach zwei drei Sätzen Small-Talk erzählte sie, wie begeistert sie doch sei von dieser Energiewende. Mich interessierte, ob die Nobelpreisträger auch so überzeugt sind vom deutschen Abenteuer, aus Kohlenstoff-Verbrennung und Nuklearenergie gleichzeitig auszusteigen. Da aber die Zeit eben fortgeschritten war, wollte ich die Sache kurz machen:

Sie können meine Frage sehr schnell beantworten, auf nonverbale Art. Bitte heben Sie die Hand, wenn Sie glauben dass man den Planeten von der Erderwärmung retten kann, ohne Atomkraft zu nutzen.

Chu und Schmidt hoben die Hand. Doherty und Smoot ließen ihre unten. Gross hatte die Hand oben, aber er muss die Frage falsch verstanden haben, denn er setzte zugleich zu einem Pladoyer für Atomkraft an [gekürzt]:

Ich bringe meine Unterstützung für Atomenergie zum Ausdruck, als eine moderne, sichere Energiequelle. Deutschland – da Sie ja aus Deutschland kommen – verhält sich da sehr unverantwortlich bei diesem Thema. Sie hatten eine Reihe fortschrittlicher Nuklearanlagen zur Stromversorgung. Als Reaktion auf emotionale und politische Argumente und der Angst vor einem Tsunami, der nach einem Erdbeben über den Atlantik kommen könnte, schalten Sie die jetzt alle ab. Zu einem enormen Preis für Europa und die Umwelt, entgegen Ihrer Ziele zur Senkung der CO2-Emissionen. Ich verstehe das nicht. Deutschland hat eine fortschrittliche, rationale Kultur. Ich verstehe es wirklich nicht.

Steven Chu argumentierte etwas differenzierter:

Ich war nicht glücklich, als Deutschland vorhandene Atomanlagen vor dem Ende der Lebenszeit abgeschaltet hat. Aber das ist Deutschlands Entscheidung. Es gibt auch Staaten in den USA, die sich gegen Atomkraft entschieden haben, das ist deren Entscheidung. Aber Atomkraft hat ein Problem, wir wissen nicht wie wir die nächste Generation rechtzeitig und im Kostenplan bauen sollen. Die Projekte sind alle hinter dem Zeitplan und werden viel zu teuer. Die kommen bis zum Ende ihrer Lebenszeit nicht mehr in die Gewinnzone. Erneuerbare Energien holen sehr schnell auf. Windenergie kostet ohne Subventionen inzwischen nur noch das gleiche wie Kohle. Aber es wird vier oder fünf Jahrzehnte dauern, um den Übergang hinzukriegen. Beispielsweise müssen wir Offshore-Wind deutlich günstiger machen, er kostet derzeit dreimal soviel wie Onshore. Dann wäre die Versorgung viel verlässlicher. Für den Übergang wäre Nuklearenergie nützlich.

Forschung in Afrika

Mit Seth (Ghana) und Dalia (Sudan) in Lindau

Mit Seth und Dalia in Lindau

Auf der Tagung der Nobelpreisträger in Lindau nehmen nicht nur eben jene Nobels teil, sondern etwa zehnmal mehr junge Nachwuchswissenschaftler. Dieses Jahr waren darunter besonders viele vom afrikanischen Kontinent. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um mit ihnen über die Bedinugngen für Forscher in ihren Heimatländern zu sprechen. Die Situation ist natürlich in jedem Land anders. Insgesamt hat Afrika aber noch einen weiten Weg vor sich. Nur in Südafrika hat man in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Folgerichtig gehen talentierte junge Menschen ins Ausland.

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