Banker und Punks

Was ich hier noch festhalten möchte, sind ein paar Sätze, die Constantin Seibt diese Woche auf der re:publica gesagt hat. Seibt ist ein Schweizer Journalist. Er ist Autor des Blogs „Deadline“ und des gleichnamigen Buches. In beiden hat er kluge Dinge darüber aufgeschrieben, wie sich der Journalismus verändern muss, um die Medienkrise zu überstehen. Davon handelt auch der re:publica-Vortag. Vorher allerdings sagt Seibt interessante Dinge über Punk:

Ich war eigentlich für Punk. Ich sah nicht so aus, aber im Herzen war ich einer. Die Schweiz musste in die Luft gesprengt werden, so satt und zufrieden wie sie war. Und ich hielt Banker für Schwiegersöhne, die im Haus im Grünen leben. Ein langweiliges Leben mit einem guten Einkommen. Keine Option. Ich habe mich geirrt. Die Punks haben ganz gute Musik gemacht und in Zürich eine Beisl-Szene organisiert. Aber die Schwiegersöhne haben beinahe das Weltfinanzsystem in die Luft geprengt. Und sind auch noch damit davon gekommen. Es ist so, dass ich dann immer einen leisen, bitteren Neid fühle, wenn ich mit Bankern spreche. Sie haben das erreicht, was ich in meiner Jugend wollte.

An dieser Stelle schweift er ein bisschen ab. Aber dann kommt’s:

Deshalb ist Punk heute eigentlich nicht mehr Zerstörung, nicht mehr die Atombombe auf die Schweiz. Sondern der eigentliche Protest ist heute, gute Arbeit zu machen. Etwas Konstruktives. Das ist das, was die Anderen nicht hinkriegen.

Ich finde das eine sehr interessante Folgerung aus der Finanzkrise.

Hier der Vortrag auf Video. Die zitierte Passage beginnt etwa bei 3:00. Ab 6:00 geht es dann ins Medien-Spezifische.

In Your Face, Deutsche Bank.

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Tagen ein kleines, feines Kommunikationsdesaster erlebt. Das größte deutsche Kreditinstitut hatte letzte Woche eine Umfrage auf seiner offiziellen Facebook-Seite gestartet. Dort schrieben die Banker: “Wir möchten Ihnen gerne die Möglichkeit bieten, mit unseren Experten zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Was wäre hierfür die beste Zeit?” Zur Auswahl standen Antwortmöglichkeiten wie “Mittwochs, 15:00 – 17:00 Uhr”. Offensichtlich wurde aber auch den Usern die Möglichkeit gegeben, eigene Antworten hinzuzufügen. Das erwies sich als schwerwiegender Fehler. Denn die Antwort, die sich bald der größten Beliebtheit erfreute, lautete: “Wenn sie sich von Nahrungsmittelspekulation & Waffenhandel zurückgezogen haben”. Gestern Vormittag lag diese Antwort mit 826 Stimmen deutlich vorne. Die zweitbeliebteste Option (Donnerstags, 17:00 – 19:00 Uhr) kam gerademal auf 48 Stimmen. Kurz darauf war der Beitrag verschwunden. Leider lässt sich dadurch nicht mehr rausfinden, wer diese unglaublich gute Idee hatte. Das ist schönstes Culture Jamming. Zum Glück habe ich zumindest rechtzeitig einen Screenshot gemacht.

deutschebank

Einige Stunden später postete die Bank dann ein Statement:

In eigener Sache: Wir mussten die Umfrage vom 18. Februar 2013 leider von unserer Pinnwand nehmen, da diese zu Kampagnenzwecken manipuliert wurde.Wer sich über die Position der Deutschen Bank zum Thema „Investieren in Agrarrohstoffe“ informieren möchte, findet das offizielle Statement sowie Fragen und Antworten auf unserer Webseite.

Bei jenen Fragen und Antworten schreibt die Deutsche Bank: „Die Auswertung zahlreicher Untersuchungen ergab, dass es kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung gibt, die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten sei für Preissteigerungen oder erhöhte Preisschwankungen verantwortlich.“ Weiter unten heißt es, Spekulation sei „unverzichtbar für das Funktionieren von Rohstoffmärkten.“ Interessanterweise fand die NGO Foodwatch Studien der Deutschen Bank, die genau das Gegenteil besagen. Dort heißt es, die Spekulationen hätten zu Preissteigerungen beigetragen. „Solche Spekulationen können für Landwirte und Verbraucher gravierende Folgen haben und sind im Prinzip nicht akzeptabel.“ Foodwatch hat das ziemlich gut aufgedröselt und verlinkt auch auf die einzelnen Studien, ein Klick lohnt sich.

So, und dann gibt ja es in der Umfrage ja noch den zweiten Vorwurf, denn die Banker in ihrem Statement komplett unter den Tisch fallen lassen: Den der Beteiligung am Waffenhandel. Laut einem Bericht von ZEIT ONLINE finanziert die Deutsche Bank weiterhin die Herstellung von Streubomben durch Kredite und Anteilsbesitz, obwohl sie diese Geschäfte bereits im November 2011 beenden wollte. Insgesamt sei das Unternehmen mit über 500 Millionen Euro an der Finanzierung der Rüstungsindustrie beteiligt.

Liebe Deutsche Bank, 48 Leute halten  Donnerstag, 17 Uhr, für einen guten Zeitpunkt, um mit dir nett über Geld zu plaudern. Der Rest der Menschheit interessiert sich einen Scheiß für deine geheuchelte Kundennähe. Wir wollen einfach dass du aufhörst, dein Geld mit Hunger und Krieg zu verdienen. Wann wäre hierfür der beste Zeitpunkt?

Genau jetzt.