Die Suppe auslöffeln

Warum wir vielleicht doch ein Smartphone-Problem haben

Vor ein paar Monaten saß ich mit Kollegen beim Mittagessen. Vor mir standen eine Suppe, ein Hauptgericht und ein kleiner Beilagensalat. Ich unterhielt mich mit den Kollegen und begann nebenbei, die Suppe zu essen. Suppe ist ja schließlich eine Vorspeise. Nach zwei oder drei Löffeln schob ich allerdings die Suppe weg und begann, mir Happen des Hauptgerichts auf die Gabel zu schaufeln. Nach wiederum zwei oder drei Bissen kehrte ich zur Suppe zurück. Da hielt ich plötzlich inne.

Offenbar ist meine Aufmerksamkeitsspanne inzwischen so weit herabgesunken, dass ich nicht mehr in der Lage bin zwei Gänge eines Mittagessens hintereinander zu mir zu nehmen, ohne zwischendurch hin und her zu wechseln. Ich finde das nicht gut. Und ich glaube, dieses Defizit, das ich an jenem Tag in der Kantine diagnostiziert habe, liegt an meinem Smartphone-Konsum.

300Im aktuellen Spiegel steht eine Titelgeschichte mit der Überschrift „Leg doch einfach mal das Ding weg!“ (hier gegen Bezahlung lesbar). Darin erzählen mehrere Familien von ihrem Ringen um den richtigen Umgang mit Telefonen und Tablets, die im Alltag eine immer größere Rolle spielen. Vor allem, so der Spiegel, sei das bei Kindern ein Problem.

Mein SZ-Kollege Dirk von Gehlen hat auf seinem Blog eine Antwort auf den Spiegel-Text geschrieben. Darin verteidigt er quasi das Handy gegen die Kritik: Es sei halt eine neue Technologie, mit der man den Umgang erst lernen müsse, kein Grund zur Aufregung.

Ich mag diese gelassene Haltung sehr. Und ich gebe Dirk grundsätzlich recht. An einer Stelle muss ich allerdings widersprechen. Dirk vergleicht in seinem Beitrag das Smartphone mit einem Fahrrad. Auch das sei ja schließlich mal erfunden worden und die Leute hätten erst herausfinden müssen, wie man es benutzt. Daher sei der „Weglegen“-Aufruf auf dem Spiegel-Cover ein schlechter Ratschlag. Schließlich lerne man Radfahren nur durch Radfahren und nicht, wenn das Radl in der Garage steht.

Dieser Vergleich zieht nicht. Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer. Radfahren macht mich glücklich. Aber Radfahren arbeitet nicht mit diesem raffinierten Belohnungs-Mechanismus, der Smartphones so verführerisch macht. Diese unzähligen kleinen Benachrichtigungen über neue Botschaften und Likes, wegen derer wir unsere Telefone so oft aus der Tasche ziehen, die spielen schon sehr geschickt mit unserem menschlichen Verlangen nach Aufmerksamkeit. „Wer ist eigentlich auf die Idee mit dem Drogenvergleich gekommen?“, frägt Dirk. Nunja, natürlich sind Smartphones kein Heroin, aber auf hormoneller Ebene kann ich gewisse Parallelen erkennen.

Daher ist es schon ein wichtiger Teil des Damit-umgehen-lernens, sich nicht abhängig zu machen von diesem Belohnungssystem. Ich versuche mir seit dem Suppen-Erlebnis, bewusst Auszeiten zu nehmen, eine Stunde, einen Tag, demnächst ist eine Woche geplant. Ich finde, das tut mir gut.

In einem Punkt gebe ich Dirk allerdings recht. „3. Wieso muss eigentlich stets die Jugend als Schreckensszenario herhalten?“ frägt er im Bezug auf die Spiegel-Geschichte. Nach meiner Beobachtung sind die schlimmsten Smartphone-Missbraucher keine Jugendlichen, sondern vielmehr Eltern, die ihrem Gerät mehr Aufmerksamkeit schenken als ihren Kindern. In der S-Bahn saß neben mir einmal eine junge Mutter mit ihrem Sohn, der vielleicht vier oder fünf Jahre alt war. Ein unglaublich wacher, neugieriger Kerl. Er sah die ganze Zeit aufgeregt zum Fenster hinaus und stellte kluge Fragen zu den Dingen die er sah, zu Gebäuden, Gleisanlagen, Menschen auf dem Bahnsteig. Ich verstehe schon, dass so ein Kind für seine Eltern ziemlich anstrengend sein kann. Aber diese Mutter, die kaum aufsah, immer nur knappe Antworten hinwarf und wieder in ihrem Telefon versank, hat mich sehr, sehr wütend gemacht.

Als meine Eltern mir Radfahren beibrachten, waren sie selbst schon ziemlich gut darin und konnten mir zeigen, wie es geht. Bei Smartphones und den heutigen Eltern bin ich mir da nicht so sicher.

Vielleicht hat Dirk recht und wir als Gesellschaft haben kein großes Smartphone-Problem. Ich persönlich habe schon eines, fürchte ich. Und vermutlich bin ich damit nicht der einzige.

Alles nur geerbt

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Neun junge Journalisten, fünfeinhalb Wochen Vollgas, viele Schokoriegel und noch mehr Kaffee: Endlich ist unser großer Schwerpunkt zum Thema „Erben“ fertig. Wir haben Essays und Reportagen geschrieben, Interviews geführt, Fotos gemacht, Videos gedreht, Statistiken ausgewertet und ganz viele Geschichten erzählt.

All das steht am Samstag, 9. Juli, auf acht Seiten im Gesellschaftsteil der Süddeutschen Zeitung. Und ab jetzt im Internet, auf sz.de/erben. Sagt uns eure Meinung – gerne hier kommentieren, eine Mail schreiben oder unter #allesnurgeerbt twittern.

Vielen Dank an Stefan Bach vom DIW und Timm Bönke von der FU Berlin für fachlichen Rat, an Heather und Kalle für’s Geschichten beisteuern, an Oma für Recherche-Unterstützung in eigener Sache und an Olga für Hilfe in der Not. Vielen Dank an Anna, Christoph, Elisabeth, Laura, Markus, Matthias, Pia, Sead, Sebastian und die ganze SZ-Crew für die großartige Zusammenarbeit. Hat Spaß gemacht mit euch!

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Unter der Brücke…

… bin ich für eine Reportage herum gestiegen, die heute in der Süddeutschen Zeitung erscheint: Ich habe den Bauingenieur Michael Schlittenbauer begleitet, der beim TÜV als Brückenprüfer arbeitet. Das Fazit: Diese Stahlbeton-Kolosse sehen zwar ziemlich unverwüstlich aus, sind aber sehr sensible Gebilde. Darum eben muss regelmäßig ein Ingenieur mit seinem kleinen Hämmerchen kommen und nachsehen, ob es der Brücke gut geht. Hier lässt sich der Text online lesen.

Die Stadt gehört uns!

Die Wahlergebnisse von gestern habt ihr wahrscheinlich gesehen. Wir von Plan B auch. Zufällig haben wir etwa einem Jahr einen Song gegen Pegida geschrieben. Der ist auf unserem neuen Album, das diesen Samstag erscheint. Er passt aber saugut auch zu den Hetzern von der AfD. Aus aktuellem Anlass haben wir „Die Stadt gehört uns“ daher heute vorab veröffentlicht. Wir dürfen den Hasspredigern keinen Platz lassen. Nicht in unseren Städten und nicht in unseren Parlamenten.

 

Dieses Eine Prozent

Ich bin unglaublich stolz: Wir haben ein neues Musikvideo am Start. „Dieses Eine Prozent“. Ein Song über Punk, Freiheit, Reisen und Leben. Eine Hommage an „Tschick“ und Wolfgang Herrndorf. Die Single zu unserem Album „In Sachen Lärm“, das am 19. März erscheint. Mit einer großen Release-Party in der Ballonfabrik Augsburg.

2015 – die ersten Male

Diese Liste geht zurück auf die gleichnamige von David Bauer, der sie wiederum von Mathias Möller geklaut hat. HIgh five auch an Max, der zu recht angemerkt hat, dass mein diesjähriger Jahresrückblick in Listen etwas knapp ausgefallen ist. Hier also eine unvollständige Liste der Dinge, die ich 2015 zum ersten Mal gemacht oder erlebt habe:

  • Zum ersten Mal auf unbestimmte Zeit meine Heimatstadt Augsburg verlassen (auch dieser Punkt ist übernommen von David Bauer). Zuvor habe ich schon in Berlin, München und Wien, auf einer Berghütte im Allgäu und zweimal monatelang als Nomade aus meinem Rucksack gelebt, aber eben nie auf unbestimmte Zeit. Wobei es von Augsburg nach München jetzt auch nicht so der große Sprung ist und ich fast jede Woche zurück fahre, weil Plan B sein Hauptquartier in Augsburg hat.
  • Zum ersten Mal eine eigene Wohnung bezogen.
  • Zum ersten Mal in New York gewesen.
  • Zum ersten Mal in Kanada gewesen.
  • Zum ersten Mal Adler und Bären in freier Natur gesehen und gelernt, ein bärensicheres Zeltlager zu errichten.
  • Meinen ersten „richtigen Job“ angetreten.
  • Zum ersten Mal Lokaljournalismus gemacht. Es dabei sehr zu mögen gelernt, „nah am Leben“ zu sein, auch wenn das furchtbar doof klingt. Aber so lassen sich ziemlich umittelbar Dinge bewegen – etwa Abschiebungen verhindern.
  • Zum ersten Mal backstage auf einem Festival rumgehangen.
  • Zum ersten Mal auf einem Parteitag gewesen.
  • Zur Akkreditierung auf selbigem erstmals ein Fax verschickt. Hoffentlich auch zum letzten Mal.
  • Zum ersten Mal ein Konzert meiner eigenen Band vepasst. Ich war tausende Meilen weit weg und die Jungs musste ohne Drummer auskommen. Haben sie toll gemacht, trotzdem kein gutes Gefühl.
  • Zum ersten Mal Injera gegessen. Und an einem Thanksgiving-Dinner teilgenommen.
  • Zum ersten Mal an einer buddhistischen Zeremonie teilgenommen.
  • Zum ersten Mal mit Menschen aus Ghana, Ruanda, dem Sudan, dem Senegal, Uganda und Eritrea gesprochen.
  • Zum ersten Mal die Freiheit gefunden.
  • Zum ersten Mal ein Jahr mit einem Purzelbaum beendet.

Das war 2015

Das war ein aufregendes Jahr: Ich bin drei Monate durch Nordamerika gereist, anschließend nach München gezogen und habe ein Volontariat bei der SZ angefangen. Ansonsten hat sich vieles um Plan B gedreht: Wir haben ein Bandcamp in Franken gemacht, ein paar Konzerte gespielt und Ende des Jahres mit den Aufnahmen zu unserem zweiten Album begonnen. Mein Jahr in Listen:

Bereiste Länder

  • Kanada (erstmals)
  • Österreich
  • Schweiz
  • Vereinigte Staaten von Amerika

Gelesene Bücher

  • Oliver Ashford: Prophet – or Professor? The Life and Work of Lewis Fry Richardson
  • Jörg Böckem, Henrik Jungaberle, Immanuel Jork, Julia Kluttig: High sein
  • Robert S. Boynton: The New New Journalism
  • Robin Cook: Fatal Cure
  • Rick Curtis: The Backpacker’s Field Manual
  • Don DeLillo: Cosmopolis
  • William Faulkner: Licht im August
  • Giles Foden: Turbulence
  • Frederick Forsynth: Der Schakal
  • Jonathan Franzen: Unschuld
  • Wolf Haas: Das Wetter vor fünfzehn Jahren
    Mein erstes, aber eher nicht mein letztes Buch von Haas. Sehr witzig. Und irgendwie sehr österreichisch, glaube ich.
  • Jodi Kantor: The Obamas
  • Jack Kerouac: On The Road
  • Jon Krakauer: Into the Wild
    Der Film gehört seit vielen Jahren zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Seither habe ich oft gehört, dass das Buch ja noch viel besser sei. Ein Interview, in dem Krakauer über seine Arbeit daran spricht (im Buch New New Journalism, siehe oben) hat mich jetzt dazu gebracht, es endlich zu lesen. Und zwar in einem Zelt in der amerikanischen Wildnis.
  • Mercedes Lauenstein: Nachts
  • Charlie LeDuff: Detroit
  • Peter Lynch: The Emergence of Numerical Weather Prediction – Richardson’s Dream
  • John McPhee: Coming Into The Country
  • Nate Silver: The Signal and the Noise
    Auch das habe ich viel zu spät gelesen. Pflichtlektüre für alle, die sich für Wahrscheinlichkeiten interessieren. Silver schreibt über Prognosen aller Art: über die Vorhersage des Wetters, von Wahlen, Baseballspielen, Wirtschaftszahlen. Gut geschrieben und hoch interessant. Auch da ist meine Erinnerung mit einem Ort verknüpft, wo ich Teile davon gelesen habe: im 67. Stock des Rockefeller Center in New York.
  • Robert Sullivan: Cross Country (halb)
  • Leonard Susskind: The Black Hole War (halb)
  • Amy Waldman: Der amerikanische Architekt
  • Roger Willemsen: Das Hohe Haus
  • Tom Wolfe: The Right Stuff
  • Gao Xingjian: Das Buch eines einsamen Menschen
  • Kim Zetter: Countdown to Zero Day (cont.)

Besuchte Konzerte

  • Beatsteaks (Deichbrand)
  • Bosse (München)
  • Clueso (Deichbrand)
  • Donots (Zürich, Deichbrand, München)
  • Femoral (Los Angeles)
  • Fettes Brot (München)
  • Heisskalt (Deichbrand, Lindau am Bodensee)
  • Herbert Grönemeier (München)
  • Itchy Poopzkid (Deichbrand)
  • Jennifer Rostock (Deichbrand)
  • Lyvten (Zürich)
  • Madsen (München)
    Bestes Konzert des Jahres. Bin eigentlich wegen der Vorband hingegangen. Mann, war das eine fette, energiereiche Show.
  • Montreal (Deichbrand, München)
  • The Notwist (München)
  • The Revivalists (New Orleans)
  • Shemekia Copeland (Chicago)
  • Sportfreunde Stiller (München)
  • The Street Legends Brass Band (New Orleans)
  • The Subways (Deichbrand)
  • Tank and the Bangas (New Orleans)
  • Tocotronic (Deichbrand)
    Vorher nie live gesehen, Überraschungsfavorit des Jahres. Die haben auf dem Deichbrand nachts um halb zwei oder so auf einer kleinen Zeltbühne gespielt. Ich war müde und wollte nur noch in ein, zwei Songs reinhören. Bin dann bis zum Schluss geblieben.
  • Torben Tietz (Augsburg)
  • Wanda (München)

Plan! B! Zehn!

Es gibt wichtige Neuigkeiten aus dem Hause Plan B (der Band, bei der ich seit 10 Jahren an den Trommeln sitze):

Freunde! Nehmt mal bitte einen dicken schwarzen Filzstift in die Hand. Schlagt euren Kalender auf und blättert zum 19. März 2016. Da schreibt ihr bitte in großen Buchstaben „PLAN B ZEHN“ rein. „PLAN B 10“ ist auch okay, je nach Platz. Da haben wir jedenfalls Geburtstag. Und bringen unser neues Album raus, das „In Sachen Lärm“ heißen wird. 10 diebestezeitunsereslebens Jahre sind wir jetzt unterwegs. Unterwegs in Sachen Lärm. Das wollen wir feiern. Mit euch und uns und großartigen Gästen. Es wird ein lauter Abend in der Ballonfabrik Augsburg. 19. März 2016. Plan! B! Zehn!

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Bitte folgt Plan B auf Facebook.

Krumme Gurken

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Dieses Wochenende haben wir die erste Lieferung von „Etepetete“ bekommen. Das ist eine Münchner Gemüse-Lieferkiste mit einer Besonderheit: Rein kommt nur Gemüse, dass nicht norm-gerecht ist und daher nicht in den regulären Handel kam. Das können zum Beispiel zweibeinige Karotten sein, zu große Kartoffeln oder Paprika, die sich nicht zwischen rot und grün entscheiden konnten. Die legendäre krumme Gurke war in der ersten Lieferung nicht dabei, aber das kommt bestimmt noch.

Etepetete ist ein Projekt dreier Mitt-Zwanziger, die das Gemüse bei Bio-Bauern und -Gärtnern im Münchner Umland einsammeln. Die Zusammenstellung ist jede Woche anders und erst bekannt, wenn man zu Hause die Kiste aufmacht. Gut fanden wir bei der ersten Fuhre, das auch viel länger haltbares Zeug dabei war: Kohl, Zwiebeln, Kartoffeln. So muss man die vollen fünf Kilo nicht in ein paar Tagen verarbeiten. Bis auf die optischen Macken war die Ware makellos. Die Etepetete-Kiste kann wöchentlich oder alle zwei, drei oder vier Wochen bestellt werden.

Die Kiste kostet 19,90 Euro, also im Schnitt vier Euro pro Kilo. Ob das ein guter Preis ist, hängt von der Zusammenstellung ab. Andere Gemüsekisten-Anbieter geben das Gesamtgewicht einer Box nicht an, da ist kein Vergleich schwierig. Beim Rewe-Lieferdienst kosten beispielsweise Bio-Paprika 7,48 pro Kilo, Kartoffeln oder Zwiebeln etwa sind deutlich billiger als vier Euro. Bei Rewe kommen noch Liefergebühren zwischen drei und fünf Euro dazu, dafür kann man sich seine Lieferung frei zusammenstellen. Wobei dieses Überraschungselement auch spannend ist. Und Sachen wie Mangold oder Pastinaken, beides in unserer ersten Kiste drin, haben die Discounter und Supermärkte meistens gar nicht im Sortiment.

  • Eine andere, etwas aufregendere Methode zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung ist das Containern.

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Naivität scheidet aus

Meine erste Reaktion auf diese dreiste und simple Manipulation der Regelungssoftware bei VW: Wie konnten die so naiv sein zu glauben, dass sie damit vielleicht durchkommen? Dass das wirklich keiner merkt? Wenn ich ein bisschen weiterdenke, erscheint Naivität als Erklärung aber unplausibel. Das Management von VW ist bis zum obersten Boss mit Ingenieuren besetzt. Das sind Leute, die haben was im Kopf, die können denken und mit Zahlen umgehen. Naiv im klassischen Sinn werden da die wenigsten sein.

Die meisten VW-Manager werden eine ungefähre Vorstellung von Wahrscheinlichkeitsrechnung haben. Ein Außenstehender wie ich kennt aus den Medien nur die Fälle, in denen ein solcher Betrug aufgeflogen ist. Klar. Also muss ich für das Entdeckt-werden eines solchen Betrugs eine Wahrscheinlichkeit von hundert Prozent annehmen: Jeder Fall, den ich kenne, ist aufgeflogen. Jetzt unterstelle ich dem VW-Manager eben, dass er nicht doof ist. Also würde er nichts machen, wo er eine Erfolgswahrscheinlichkeit von oder nahe null Prozent sieht.

Das lässt nur einen Schluss zu: Dieser VW-Manager muss mehr wissen als ich. Der muss zumindest ein paar Fälle kennen, wo VW oder ein anderer Betrieb mit einer ähnlichen Masche durchgekommen ist. Es muss also eine ganze Reihe an ähnlich dreisten, ähnlich großangelegten Betrugsfälle, von denen nie einer was gemerkt hat. Nur so gibt das alles Sinn. Oder hab‘ ich da jetzt einen Denkfehler?