Blues mit 20.000 Ampere

An Tag 83 unserer amerikanischen Reise steigen wir in San Diego ins Flugzeug. Allerdings nicht Richtung Europa, schließlich haben wir noch sieben Tage unserer Aufenthaltsgenehmigung auszukosten. Stattdessen fliegen wir über Chicago nach Milwaukee. Die Stadt am Lake Michigan ist das Zentrum des deutschen Amerikas. Es gibt unzählige Brauereien mit Namen wie „Papst“ und „Schlitz“; die Kneipen werben mit einem FC Bayern-Banner für ihre Bundesliga-Übertragungen. Wir sind aber nicht für Fußball und Bier da – wir wollen hier Freunde besuchen. Was in der Praxis dann doch recht viel mit Bier zu tun hat.

Beeindruckende Architektur: das Milwaukee Art Museum

Beeindruckende Architektur: das Milwaukee Art Museum

Außerdem sehen wir in Milwaukee ein Baseballspiel. Das örtliche Team heißt natürlich Brewers und spielt an jenem Tag gegen die Nationals aus Washington DC. Wir werden Zeuge eines seltenen Ereignisses: Die Brewers gewinnen. Ansonsten ist Baseball ein unglaublich langsames Spiel. Ein unglaublich. langsames. Spiel. Als Zuschauer werden wir daher mit allen möglichen Nebenattraktionen bei Laune gehalten: Da darf man die Zuschauerzahl raten, die Club-Maskottchen liefern sich ein Wettrennen, bei jeder Auswechslung des Pitchers fährt ein Chevrolet durchs Stadion. Die ersten vier Innings sind wir ohnehin damit beschäftigt, uns von Frank die Regeln erklären zu lassen. Schlimm muss es für die Spieler sein, die haben weder Sitzplätze, noch Popcorn, noch Bier. Sie stehen drei Stunden auf dem Rasen und warten darauf, dass der Batter ausnahmsweise mal den Ball in ihre Richtung schlägt. Aber gut, haben sie sich vermutlich mal so ausgesucht. Unser Sport wird es jedenfalls nicht.

Was ich eher gern zu meinem Sport machen würde, ist Segeln. Frank ist Mitglied im Community Sailing Club von Milwaukee und nimmt uns mit aufs Wasser. Leider verlässt uns der Wind in dem Moment, als wir aufs Boot steigen. Nach einer Stunde paddeln durch den Hafen legen wir wieder am Steg an. Abends schauen wir immerhin Videos von Franks Karibik-Törns. Die nächsten Tage aktualisieren wir stündlich den Wind- und Wetterbericht, leider ergibt sich keine Gelegenheit mehr.

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Trotzdem haben wir vier schöne Tage in Milwaukee, bevor wir mal wieder in einen Greyhound-Bus steigen und zum großen Finale nach Chicago fahren. Genau rechtzeitig zum Blues Festival. Ein paar Stunden später sitzen wir im Grant Park und hören Shemekia Copeland und Band zu. Hinter der Bühne, über der Skyline, zieht ein Gewitter auf. Als Shemekia über verlorene Liebe in Memphis singt, schlägt ein Blitz in die Antenne des Willis Tower ein, mit 442 Metern höchster Turm Chicagos.

Millenium Park

Millenium Park

Zwei weitere Ereignisse beschäftigen Amerikas drittgrößte Stadt an diesem Wochenende: Die Chicago Black Hawks spielen im Finale des Stanley Cups um die nordamerikanische Eishockey-Meisterschaft. Und am Samstag Abend steigt der „Naked Bike Ride“. Etwa tausend Menschen fahren, großteils splitternackt, auf Fahrrädern durch die Stadt.

Den letzten Abend unserer Reise verbringen wir mit Rebecca und Ryan, zwei Reise-Bekanntschaften aus New York. Die Beiden nehmen uns mit zum John Hancock Building, wo wir in einer Bar im sechsundneunzigsten Stock ein Bier trinken, mit fantastischem Blick über Stadt und See.

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Die Damentoilette im 96sten Stock des Hancock Centers (bei den Jungs gibt’s kein Fenster)

Der Heimflug verläuft ähnlich verkorkst wie unsere Hinreise. Aber als wir auf europäischem Boden landen, macht der Pilot eine Durchsage: Während wir in der Luft waren, haben die Black Hawks das entscheidende Finalspiel gewonnen. In der Economy Class bricht Jubel aus.

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August im Mai

Meares Island

Fast wären wir gar nicht nach Vancouver Island gefahren. Unser Meilenzähler war schon vorher strapaziert und die $160 für die Fähre reißen ein Loch in die Backpacker-Kasse. Ausschlaggebend war die Behauptung dreier Insulanerinnen, die wir zufällig trafen, bei ihnen sei es immer ein paar Grad wärmer als auf dem Festland. Dafür waren wir nach der winterlichen Kälte in den Olympic Mountains zu haben. Und die Mädels hatten recht: Es ist warm hier. So warm, dass wir gleich mehrmals hören: „Ihr habt echt Glück jetzt hier zu sein, das ist gerade wie August im Mai.“

Erstmal müssen wir über die Grenze. Schon am Hafen in Anacortes bei Seattle informiert uns ein Schild, dass „einige Schusswaffen in Kanada nicht erlaubt“ seien. Schweren Herzens räumen wir unseren Ford aus und fahren deutlich leichter auf das Schiff. Der Grenzer in Sidney stellt dann allerdings nur ein paar harmlose Fragen und stempelt unsere Pässe mit Ahornblatt-Bildchen.

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Die Inselmetropole Victoria lassen wir schnell liegen und fahren in den kleinen Surfer-Ort Tofino. Der liegt auf einer Landzunge zwischen offenem Pazifik und einer ruhigen, mit kleinen bewaldeten Inseln besprenkelten Bucht. So paddeln wir an einem Tag mit Kayaks zwischen den Inselchen hindurch, während der Guide sein Wissen über Indianer, Adler und eine hier im Paradies geplante Kupfermine weitergibt.

Am nächsten Tag stürzen wir uns in eineinhalb Meter hohe Wellen. Neoprenanzüge lassen uns in 12°C kaltem Wasser auch nach drei Stunden nicht frieren. Dazu haben wir Body Boards ausgeliehen – kleine Styroporbretter für Leute, die zu weit vom Meer aufgewachsen sind um Surfen zu können. Großer Spaß mit wenig Anfängerfrust. Und nach der ersten bis zum Strand durchgerittenen Welle hat man immerhin eine kleine Ahnung vom Kick des Surfens.

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Abends entspannen wir jeweils im Whirlpool des Campingplatzes (der weniger kostet als manches kalifornische Etablissement ohne Duschen und Warmwasser).

 

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Auf dem Rückweg an die Ostküste der Insel überkommt uns die Reisemüdigkeit. Keine Lust weiterzufahren, keine Lust Neues zu sehen, Sehnsucht nach Alltag. Also bleiben wir ein paar Tage in der Kleinstadt Nanaimo hängen. Gehen ins Schwimmbad, bummeln, lesen im Café, ich arbeite einen Tag von der Bibliothek aus.

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Als wir nach drei Tagen immer noch nicht weiter wollen, der Walmart-Parkplatz als Bleibe aber langsam ungemütlich wird, ziehen wir auf die Farm von Joanne und Richard. Die beiden Althippies bauen hier Blaubeeren an, wir helfen gegen Kost & Logis ein paar Tage aus. Während Joanne hauptberuflich Bäuerin ist, verbringt Richard den Großteil seiner Tage und Nächte im Homestudio, wo er alle Arten von Musik produziert, vor allem aber die Alben seiner Tochter Hailey, die mit „More Than You Know“ vor ein paar Jahren einen ziemlichen Hit hatte. Richard hat eine Vergangenheit als Produzent von Hip-Hop im rauen Washington DC und Filmmusik in Portland. Er kann stundenlang Geschichten erzählen.

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Joanne ist ehrenamtliche Chefin von Broombusters, einem Verein zur Bekämpfung der überall auf der Insel wuchernden invasiven Pflanze Scottish Broom, die zwar hübsch blüht, aber heimische Arten verdrängt. Joanne hat sich mit missionarischem Eifer ihrer Ausrottung verschrieben und schickt uns jeden Tag mit großen Zangen an den Highway zum „Broombusten“. Ansonsten helfen wir im Garten und beim Holz. Nach Feierabend radeln wir mit unseren Kollegen aus Australien, England und Spanien zum Baden, spielen Fußball oder hören Musik. Am Sonntag nimmt uns Joanne zu einer Feuerzeremonie im buddhistischen Tempel mit. Nach einer knappen Woche Farmleben zieht es uns weiter. Auf in die Rocky Mountains!

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Fifty Shades Of Green

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Auf 1280 Metern Höhe kehren wir um. Der Schnee liegt knietief und mehr davon rieselt vom dunkelgrauen Himmel auf unsere Schultern. Auf einer Lichtung verlieren sich die Spuren, denen wir bisher gefolgt waren. Wie der Weg weiter geht, lässt sich nur erahnen. Nasse Füße haben wir schon vorher unterhalb der Schneegrenze bekommen, als wir eine verunglückte Trinkflasche aus dem eisigen Fluss retten mussten.

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Bereits in der vergangenen Nacht haben wir festgestellt, dass es Ende April in den Olympic Mountains ziemlich winterlich zugehen kann – an der Temperatur im Zelt. Der Olympic National Park liegt in Washington und markiert die nordwestliche Ecke der USA, von Alaska und Hawaii abgesehen. Wir sind hier drei Tage mit dem Rucksack unterwegs. Michi trägt das Zelt, ich alle Lebensmittel in einer großen Plastiktonne mit bärensicherem Schraubverschluss, die wir nachts 70 Fuß vom Schlafplatz entfernt deponieren sollen.

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tmp_2551--893024332 Am ersten, regnerischen Tag folgen wir dem Sol Duc River, der uns auch als Trinkwasserquelle dient, und schlagen unser Lager an seinem Ufer auf. Am zweiten Tag wärmen wir uns mit Hampelmännern auf und starten den Aufstieg. Spätestens beim Rückmarsch an Tag drei hat sich das Frieren gelohnt. Es zieht auf, der Wald leuchtet in allen Grüntönen. Ein dicker, heller Moosteppich überzieht den Boden. Darüber wachsen, etwas dunkler, Flechten und Gräser. Dornen und Farne bilden die dritte Etage. Dann ragen gigantische Nadelbäume in die Höhe. Bis wir den Parkplatz erreichten, sind auch die Stiefel trocken.

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Nach unserer Wildnisexpedition gönnen wir uns ein Bad in den heißen Quellen des Sol Duc Valley (allein das Duschen war die zwölf Dollar wert). Kurzer Versorgungsstopp in Forks, einem der wenigen Orte in der Gegend. Nicht spektakulär, aber nette Menschen, die einen an der Kasse mit „Genießt den sonnigen Tag“ verabschieden. So zumindest unser Eindruck, die Bloggerkollegen von Road Trippin, mit deren Beobachtungen wir sonst meistens konform gehen, haben hier nur Rednecks und Junkies getroffen. Interessant, wie sich die Wahrnehmung unterscheiden kann.

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Dann fahren wir ans Meer – der Olympic-Nationalpark besteht aus einem Inlands- und einem Küstenteil. Der Pazifik verschlingt nach und nach den Wald am Ufer, so dass die Strände mit toten Bäumen übersät sind. Ohne Rinde liegen die nackten Stämme im Sand.

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Unser Lieblingsstrand liegt am Sandpoint, einer spitzen Halbinsel, die nur per Fünf-Kilometer-Fußmarsch durch sumpfigen Wald erreichbar ist. Hier sehen wir hundert Meter vor uns endlich das Tier, dessen Hunger uns seit Wochen zu umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen zwingt. Zugleich hat der Schwarzbär auch uns gesehen und trottet zurück ins Dickicht. Trotzdem verstauen wir die Vorräte an diesem Abend besonders gut, bevor wir ins Zelt kriechen, vor uns die heranrauschende Flut, hinter uns irgendwo der Bär und meilenweit keine Straße.

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Unverfänglicher sind die Wildlife-Begegnungen an den Stränden von Kalaloch: Während Michi die Klippen nach Seesternen absucht, beobachte ich zwei Weißkopfseeadler beim Anbandeln in den Baumkronen.

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Die Woche auf der Olympic-Halbinsel war vorläufig der Höhepunkt unserer Reise. Danach fahren wir nach kurz Seattle, wo wir spannende Menschen treffen, es sonst aber nicht viel zu erzählen gibt. Dann geht es nach Kanada – Fortsetzung folgt.

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Amerika in grün

Wir gehören zu diesen seltsamen Menschen, die ihre Freizeit am liebsten in der Natur verbringen, aber nirgendwo anders leben könnten als in der Großstadt. Auch auf Reisen haben wir gelegentlich das Bedürfnis nach Straßenlärm, Konsumkapitalismus und überhöhten Übernachtungskosten.

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Streetart, the Portland way

In Oregon kommt dazu Dauerregen ab Grenzübertritt, so dass wir einen Großteil des Staates nur durch die nassen Seitenscheiben anschauen und direkt nach Portland durchkacheln. Die Locals* dort machen uns natürlich ein schlechtes Gewissen, weil wir soviel verpasst hätten. So etwa Jacob, den wir in einem Food Market kennenlernen. Diese klassischen Portland-Institutionen gibt es an jeder Ecke. Auf einem freien Grundstück stehen Bänke, Tische und verschiedene Imbissbuden. An der Mississippi Street beispielsweise Italienisch, Indisch und „Typical German“: Döner, Wiener Schnitzel und Currywurst. Dazu ein Smoothie-Stand, der seine Saftpresse mit einem Fahrrad antreibt – wer möchte, kann selbst in den Sattel steigen.

Fahrradfahren ist überhaupt groß hier. Es gibt in der Stadt viele kleine Fahrradhersteller (unser Gastgeber Jeremy ist totaler Radnerd und arbeitet bei einer solchen), Radwege, Radmagazine, Bikepolo spielende Jungs im Park und ganz viel schicke Bikes auf den Straßen.

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Die meiste Zeit verbringen wir, auf Empfehlung eines Blogs und vieler Portländer, auf der Alberta Street. Ateliers, kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants reihen sich hier kilometerlang aneinander. Im „Petite Provence“ findet die Zuckerbäckerin der Reisegruppe – erstmals in Amerika – Törtchen, Makronen und Brot, die in Vielfalt und handwerklicher Verarbeitung auch nach europäischen Standards herausragen. Da feine Törtchen allein nicht satt machen, kehren wir auch noch im Waffle Window und dem vegetarischen Café Vita ein. Die Cafés haben ihren Kaffee meistens aus kleinen, lokalen Röstereien; die Geschäfte führen regionale Produkte. Große Ketten sehen wir kaum (in Los Angeles gibt es allein auf dem Sunset Boulevard mindestens fünf Starbucks-Filialen). Sehr sympathisch, dieses Portland.

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Weniger Stadtbesuche bedeuten auch selteneren WLAN-Zugang. Dadurch brauchen wir, wenn es mal wieder soweit ist, auch immer länger um mit Reiseplanung, Blog und E-Mails aufzuholen. Trotzdem haben wir in Portland eine gute Zeit und sind nach drei Tagen bereit, uns an die Küste zu wagen. Und damit in den Regen.

Der Pelican Pub in Pacific City gehört zu Michis liebsten Erinnerungen aus ihren früheren Amerika-Reisen in den wilden Neunzigern. Inzwischen ist das Lokal zu einem ziemlich teuren Touristenfang geworden – steht aber immer noch direkt am Strand. Nach einem überragenden Quinoa-Süßkartoffel-Pie mit grünem Spargel (wir teilen uns eine Portion für 16$) können wir direkt zur Erkundung der steilen Sandsteinklippen starten. Dann heizen wir auch schon weiter nach Washington.

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* Ich mag das englische Wort Local lieber als den deutschen Einheimischen. Ein Local ist laut Oxford Dictionary jemand, der am jeweiligen Ort lebt. Ein Einheimischer ist laut Wictionary eine „Person, die in einem bestimmten Bereich geboren ist und seit eh und je lebt“. Diese Festlegung auf die Herkunft ist nicht nur blödsinnig, sondern in Amerika auch unbrauchbar: Wir haben hier kaum einen Erwachsenen getroffen, der noch am Ort seiner Geburt lebt. Eine Alternative wäre noch Ortsansässiger/i> (Duden: „an einem bestimmten Ort (2a) ansässig, wohnhaft, zu Hause“), aber das ist ein umständliches, unschönes Wort.

Endlich am Pazifik

Im Song „Kalifornia“ von den Subways heißt es:

If you see
Kalifornia
You will know it’s been
Waiting for you

Kalifornien hat auf uns gewartet? Dieses Land wartet auf niemanden. Höchstes darauf, dass wir wieder gehen. Hier sind schon längst mehr Leute, als ein Stück Wüste ertragen kann. Verkehrschaos und Zersiedelung sind brutal. Am Tag, als wir in Kalifornien ankommen, titelt die Los Angeles Times mit den Wassersparmaßnahmen, die der Gouverneur der Dürre entgegensetzen will. Manche Gemeinden sollen 35 Prozent ihres Verbrauchs einsparen. Die warten bestimmt nicht darauf, die letzten Tropfen mit uns zu teilen.

So zumindest unser erster Eindruck. Der ändert sich schnell, als wir mit den ersten Kaliforniern ins Gespräch kommen. So viel Freundlichkeit ist selbst für amerikanische Verhältnisse ungewohnt. Mit Jonathan, unserem Gastgeber in San Diego, gehen wir gleich am ersten Abend gemeinsam essen. Händler beraten uns auch eine Viertelstunde nach Ladenschluss in aller Ruhe. Im Asia-Supermarkt erklärt uns eine Miteinkäuferin ausführlich die verschiedenen Knollen und gibt Tipps zur Zubereitung von Purple Yam, einer Art Süßkartoffel (es funktioniert und schmeckt hervorragend).

Die coolste Szene ereignet sich auf dem Sunset Boulevard in Hollywood: An der Ampel hält ein Auto neben unserem. Durch die offenen Fenster ruft der Fahrer: Schau, wie nah wir sind, wir können uns die Hand geben! Lachend schlagen wir unsere Fäuste gegeneinander. Dann schaltet die Ampel auf grün.

Los Angeles von den Hollywood Hills

Los Angeles von den Hollywood Hills

Überhaupt haben wir in Los Angeles eine gute Zeit. Im Staples Center sehen wir die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki gegen die Lakers gewinnen. Beim Wandern durch die Hollywood Hills sammeln wir wilden Salbei, der bis nach Kanada unsere Backpacker-Mahlzeiten aufbessern wird. Am Santa Monica State Beach (gibt es in Deutschland eigentlich Bundesstrände?) ist das Baden umsonst – wenn auch im April sehr kalt – das Wohnen nicht ganz: Die Einzimmerwohnung liegt in Santa Monica bei 4000 Dollar monatlich, erzählt ein Anwohner.

In einem Club namens The Smell erleben wir ein unglaublich verrücktes Konzert. Der Laden liegt in einer schmalen, dunklen Gasse. Am Eingang hängt ein Schild: „No Alcohol“. Dahinter stinkt es nach Pisse. Es sind etwa fünfzig Leute im Raum. Ein paar trinken Wasser; die meisten stehen nur da und hören zu. Femoral aus Austin, Texas, machen furchtbaren Lärm. Ihr Sound ist so laut, so verzerrt, so unmelodisch, man möchte sofort wieder gehen – bewegt sich aus Neugierde aber doch nach vorne. Und ist fasziniert. Da spielen drei Jungs nicht auf, sondern vor der leeren Bühne. Der Bassist steht mit geschlossenen Augen an der Wand. Der Gitarrist trägt Moustache und dunkle lange Haare und brüllt Unverständliches in sein Mikrofon. Beide wirken ziemlich abgedreht. Die Sensation aber ist der Drummer: Bis auf spitze Lederstiefel ist sein Äußeres unauffällig. Er sitzt mit dem Rücken zum Publikum vor einem minimalistischen Schlagzeug, auf das er einprügelt wie Obelix auf einen römischen Legionär. Seine schnellen 16tel wirken völlig planlos, ergeben mit dem wilden Geschrammel und Gebrüll der Kollegen aber doch so etwas wie Musik. Songstrukturen sind nicht erkennbar, ab und zu scheint aber ein Stück zu enden. Die Saiteninstrumente beginnen dann ein neues, während der Trommler aufsteht und völlig verschwitzt und atemlos durchs Publikum nach hinten taumelt. Unvermittelt stürzt er nach vorne, nimmt Platz und knüppelt weiter. Die Ansage am Ende: „Thank you for supporting us in our mission of yelling at people.“

Erstes Lagerfeuer der Saison

Erstes Lagerfeuer der Saison

Nach diesen Erlebnissen haben wir trotzdem genug von Großstadt. Schließlich sind wir inzwischen von leather tramps zu rubber tramps (die Unterscheidung habe ich bei Jon Krakauer gelesen) aufgestiegen, haben also Autoreifen statt Wanderstiefeln unter den Füßen. Wir sind bereit, die große Weite des amerikanischen Westens zu erkunden.

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Sanddollar Beach

Sanddollar Beach

Erstmal halten wir uns an den Pazifik. Die Küstenstraße ist schmal und kurvig. Wirklich voran kommen wir nicht – zumal immer wieder ein unterhalb der Klippen gelegener Strand einen Zwischenstopp erfordert. Zum Beispiel der Sanddollar Beach, ein Streifen aus weißem Sand zwischen zwei nach vorne ragenden Felswänden. Oder der Pfeiffer Beach, durch den ein solcher Wind weht, dass einem die Sandkörner wie Geschosse gegen die Waden schlagen. Solche Stopps lassen uns für die 600 Kilometer bis San Francisco volle drei Tage brauchen.

Pfeiffer Beach

Pfeiffer Beach

Die Ankunft in Frisco ist kompliziert. Wir haben der Aussage unserer Airbnb-Gastgeberin vertraut, zwei Straßen von ihrer Wohnung könne man frei parken. Das erweist sich als Unsinn – man kann hier nirgendwo frei parken. Wir stellen unseren Ford also für 50 Dollar zwei Tage ins Parkhaus. Um dann von besagter Gastgeberin versetzt zu werden: Die Hausverwaltung hat mitbekommen, dass Roxanne ihre Wohnung vertragswidrig untervermietet. Wir nehmen also das, was kurzfristig (es wird gerade dunkel) an Hostelzimmern noch zu haben ist. Dieser unglückliche Start vermiest uns San Francisco etwas. Nach eineinhalb unspektakulären Tagen sind wir weg.

Golden Gate Bridge: Die Schönheit liegt im Detail

Golden Gate Bridge: Die Schönheit liegt im Detail

Upper Yosemite Fall

Upper Yosemite Fall

Im Yosemite Valley wandern wir zu den gleichnamigen Wasserfällen (Nach einigen Monaten in Neuseeland dachte ich, Wasserfälle kriegen mich nicht mehr. Aber der ist besonders: Das Wasser fließt nicht gleichmäßig hinab, sondern fällt in Schwaden aus dem Fels, die dann langsam zerfallen). Wir zelten abends mit dutzenden Kletterern unter den Granitwänden, wo die Huberbuam ihre Speedkletter-Höchstleistungen erzielt haben.

Yosemite Valley

Yosemite Valley

Redwood National Park

Redwood National Park

Letzte Station in Kalifornien ist der Redwood National Park. Undurchdringlicher Regenwald: Farne, Moose, Dornensträucher und gigantische Bäume, auf deren Querschnitt mehrere Zelte Platz hätten. Die Redwoods ragen hundert Meter in den Himmel oder liegen nach ihrem Tod wie riesige Mikado-Stäbchen kreuz und quer übereinander. Manchmal kracht und ächzt es beunruhigend in den Kronen über uns. Am Ende der Dschungelwanderung stehen wir direkt am Pazifik, zelten abends am Strand und grillen Tortillas über dem Feuer.

Golden Bluffs Beach, Redwoods National Park

Golden Bluffs Beach, Redwood National Park

Best of #BlueDot

Alexander Gerst ist zurück. Nach fast 166 Tagen auf der ISS ist der deutsche Astronaut heute Früh in Kasachstan gelandet. Als @Astro_Alex hat er in den letzten Monaten grandiose Fotos von der Erde gewittert, die er von der Raumstation aus aufgenommen hat. Hier sind meine Lieblingsbilder.

Plastikmeer

Heineken auf 950 Metern Tiefe. Foto: Pham et al.

Heineken auf 950 Metern Tiefe. Foto: Pham et al.

Nochmal eine kleine Notiz zu Plastik im Meer: Ein Forscherteam hat über 10 Jahre gründlich nach Müll im Mittelmeer gesucht. Und überall welchen gefunden. Einer der Forscher wird im Guardian so zitiert:

This survey has shown that human litter is present in all marine habitats, from beaches to the most remote and deepest parts of the oceans. Most of the deep sea remains unexplored by humans and these are our first visits to many of these sites, but we were shocked to find that our rubbish has got there before us.

Es gibt also, zumindest im Mittelmeer, keine unberührte Tiefsee mehr. Der Müll ist überall. Die häufigsten Abfallarten im Mittelmeer sind Plastiktüten, Glasflaschen und Fischernetze. Wirklich überrascht zeigen sich die Forscher in ihrem Fazit nicht, schließlich gäbe es von anderen Erdteilen ähnliche Ergebnisse. Südlich von Japan habe man noch in 7216 Metern Tiefe Abfälle gefunden.

Jeder EU-Bürger verbraucht pro Jahr 198 Plastiktüten, schätzt die EU-Kommission. Immer wieder wird über ein Verbot oder eine Besteuerung diskutiert, um diese Zahl zu senken. Vielleicht tut sich nach den Europawahlen etwas.

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Schuhe vom Strand

Man müsste viel öfter einfach mal machen, dachte ich mir beim Ansehen dieses Videos. Ein paar Jungs aus UK gehen darin ans Meer, sammeln wahllos Plastikmüll ein und stellen daraus Sneakers her. Die auch noch ziemlich cool aussehen. Also ich würde sie anziehen. Gibt es aber leider nicht zu kaufen. Da hilft nur selbst mal wieder ans Meer zu fahren…

via Grist

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Eine verschenkte Chance: Der Film „Bottled Life“

Ich habe mich heute geärgert. Nicht nur wegen dem Geld, das ich an der Kinokasse für die enttäuschende Dokumentation „Bottled Life – Das Geschäft mit dem Wasser“ gezahlt habe. Sondern vor allem wegen der verschenkten Chance, sich über neunzig Minuten mit einem komplexen und brisanten Thema auseinanderzusetzen. Stattdessen schien der Film vor allem dafür gemacht zu sein, die zur Genüge vorhanden Nestlé-Feinde ihn ihrem Weltbild zu bestätigen.

Eine gesunde Skepsis gegenüber dem größten Nahrungsproduzenten der Welt ist sicher nicht verkehrt. Aber das Problem der zunehmenden Wasserknappheit in vielen Entwicklungsländern nahezu allein dem Schweizer Unternehmen anzulasten, ist schon etwas gewagt. Wenn man das tut, sollte man zumindest ein paar handfeste Fakten an der Hand haben, um die Behauptung zu stützen.

Das Grunddilemma: In ganz vielen Ländern der Welt funktioniert die öffentliche Wasserversorgung nicht wirklich. Das Wasser kommt nicht zuverlässig oder ist ungenießbar. Auf einer Reise über den Balkan nach Istanbul konnte ich kürzlich selbst erleben, wie die Wasserqualität von West nach Ost immer weiter abnimmt. In Istanbul schließlich kommt kein Mensch mehr auf die Idee, das Leitungswasser zu trinken. Selbst von einer Verwendung zum Kochen raten dort viele ab. Das führt zu einer absurden Doppel- und Dreifach-Infrastruktur, die Wasser nicht nur über Leitungen und unzählige Kioske bereitstellt, sondern auch über ein Heer an LKWs, das die Haushalte mit 20-Liter-Kanistern versorgt, die in einem Tauschsystem voll angeliefert und leer wieder abgeholt werden. In den schmalen Gassen des Altstadtviertels Beyoglu ist das Irrsinn. Nun ist es bestimmt kein Kinderspiel, eine Megastadt wie Istanbul oder, um die Beispiele aus „Bottled Life“ zu nennen, Lagos und Lahore, mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Aber, das hat mir meine Zeit am Bosporus gezeigt, man würde sich einen gigantischen Aufwand sparen.

Jedenfalls ist es nun so, dass die Lücke, die Staat und Kommunen durch die fehlende oder unbrauchbare Wasserversorgung hinterlassen, von privaten Unternehmen wie Nestlé gefüllt wird. Prinzipiell gar keine so schlechte Idee; nur dass Produkte wie das Nestlé-Wasser „Pure Life“ für die unteren Schichten der betroffenen Länder unbezahlbar sind, und für die gigantischen Abfüllanlagen so viel abgepumpt wird, dass der Grundwasserspiegel weit absinkt und die Brunnen der Bevölkerung versiegen.

Der Film bringt ziemlich bald ein haarsträubendes Zitat des Nestlé-Verwaltungsratschefs Peter Brabeck:

Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht. Und da gibt es zwei verschiedene Anschauungen: Die eine Anschauung – extrem würde ich sagen – wird von einigen, von den NGOs vertreten, die darauf pochen, dass Wasser zu einem öffentlichen Recht erklärt wird. Das heißt: Als Mensch sollten Sie einfach Recht haben, um Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung. Die andere sagt: Wasser ist ein Lebensmittel. Und so wie jedes andere Lebensmittel sollte es einen Marktwert haben.

Diese Sätze sprechen für sich. Doch später lassen die Macher von „Bottled Life“ Brabeck immer wieder Dinge sagen, die weniger offensichtlich daneben sind. Mit diesen Aussagen hätte man sich auseinandersetzen müssen. Zum Beispiel wenn er den Wassermangel in armen Ländern auf Golfplätze und Swimmingpools schiebt. Neben der Zahl der Golf spielenden Nestlé-Manager wäre hier interessant, ob solche Luxusverwendungen wirklich einen nennenswerten Teil zum Problem beitragen, oder nicht. Doch Regisseur Urs Schnell und Rechercheur Res Gehriger interessieren solche Fragen nicht. Die wollen nur ihre Botschaft loswerden: Der böse Nestlé-Konzern nimmt den armen Menschen das Wasser weg. Man ahnt, dass das sicherlich irgendwie stimmt, aber man würde es an vielen Stellen im Film gern genauer wissen. Und man würde gern mehr darüber erfahren, welche Gründe noch eine Rolle spielen. Staatliche Misswirtschaft gehört ganz bestimmt dazu. Sie macht das Geschäftsmodell, armen Menschen abgefülltes Wasser für viel Geld zu verkaufen, erst möglich. Auch der Klimawandel kann nicht ganz unschuldig sein. Was ist mit intensiver Landwirtschaft? Was mit zunehmender Bodenversiegelung? Mit rivalisierenden Staaten, die sich um Flüsse streiten? Doch statt sich dem Thema von mehreren Seiten zu nähern und so zumindest zu versuchen, seiner Komplexität annähernd gerecht zu werden, lässt der Film ein paar Frauen aus einer Kleinstadt in Maine immer wieder in sehr ähnlichen Worten sagen, dass man Nestlé stoppen müsse. Warum überhaupt ein großer Teil des Films dort gedreht wurde, in diesem grünen US-Bundesstaat an der Ostküste, in dem sich durchschnittlich 14 Menschen pro Quadratkilometer die nicht gerade knappen Grundwasservorräte teilen, bleibt unklar. Auch optisch überzeugt der Film nur manchmal; etwa wenn er von der braunen, von Müll und Kadavern verseuchten Kloake eines auf Pfählen gebauten Slums in Lagos überblendet auf das tiefblaue Wasser des Genfer Sees, auf dem friedlich ein paar Schwäne schwimmen und an dessen Ufer der Hauptsitz von Nestlé liegt. Aber wenn Gehriger mehrmals mit entschlossenem Blick am Computer zu sehen ist oder zum Schluss bei einer Wanderung in irgendeinem Gebirge, von dem man nicht mal erfährt auf welchem Kontinent es liegt, ist das ziemlich verzichtbar.

Unverzichtbar ist es trotzdem, sich mit dem Problem der globalen Wasserknappheit zu befassen. Denn einer der wenigen handfesten Fakten des Films ist, dass die Slumbewohner von Lagos oft mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Trinkwasser ausgeben – und dennoch keines von solcher Qualität bekommen, dass ihre Kinder nicht mehr krank würden. Darüber würde man gern mal einen guten Film sehen.

Zwischen Wasser und Wald


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Foto: PW

Im Zug von Berlin nach Greifswald. An die Ostsee. Ans Meer. Ich sitze neben meinem Radl im Regionalexpress, lese Altmann und lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen. Zunächst heißt sie Brandenburg, später Mecklenburg-Vorpommern, immer ist es flache ostdeutsche Provinz, brettelseben und menschverlassen. Doch wunderschön, die Wälder, die Wiesen, die Seen, die im Abendlicht daliegen.

Vor vielen Jahren habe ich hier in der Gegend eine Woche lang gezeltet, mit guten Freunden, an einem See mitten im Wald. Wären wir nicht manchmal ins Dorf gefahren zum Einkaufen, uns wäre vielleicht die ganze Woche kein Mensch begegnet. Doch, einmal, wir schwammen durch den See ans andere Ufer, wo ein Steg lag, wie gemacht für unseren Übermut, das perfekte Sprungbrett. Zwei, drei Sprünge hatte jeder von uns gemacht, sofort kam ein alter Mann daher, in Latzhose und Gummistiefeln. Und hat uns vertrieben, sein Steg gehe sonst kaputt. Es war eine gute Zeit.

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Fantastisch die Radelstrecke von Greifswald zur Insel Riems. Ich fahre im letzten Licht des Tages auf einer alten, holprigen Pflasterstraße. Als ich mein Ziel erreiche ist es schon fast dunkel. Ich rieche das Meer, bevor ich es sehen kann. Auf Riems sitzt das Friedlich-Loeffler-Institut, im Auftrag des Bundes werden hier Tierseuchen erforscht.

Hier treffe ich eine Freundin, am nächsten Morgen lassen wir die Seuchen hinter uns und entern die Straße nach Osten. Zwei bärtige Seemänner schippern uns mit ihrer Fähre nach Usedom. Ein paar Lektionen DDR-Geschichte gibt es an Bord gratis, der Likör, nur hier erhätlich!, kostet zwei Euro, wir verzichten.

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Die Nordspitze der Insel ist kaum zugänglich. Die Nazis haben hier Waffen getestet, daher Sperrgebiet. Immerhin haben so die Vögel ihre Ruhe, denen wird der Irrsinn als Schutzgebiet verkauft.

Usedom ist großartig, einsame Sandstrände, dann Dünen, dahinter herrliche Wälder. Nur die Dörfer sind eine Zumutung, überall Touristen, überall Rentner, meine Fresse. Dazu passt die um sich greifende Regulierungswut. Mit Vorliebe richten sich die Vorschriften an Radfahrer. Im Wald geht es einen Hang hinunter, laut Schild mit 16 Prozent Gefälle. Man hat ein Zusatzschild angebracht: Radfahrer absteigen. Wohl ein Fahrspaßabtötungsprogramm. Ein paar besonders gut dresierte leisten Gehorsam. Witz hätte es, wenn am darauffolgenden Aufstieg, wieder 16 Prozent, ein Schild hingenagelt wäre: Radfahrer sitzenbleiben.

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Die beiden Herzkammern des Usedom-Massentourismus heißen Heringsdorf und Ahlbeck. Präzise getaktet pumpt ihr Puls die Urlauber durch die Hotels, Restaurants und Animationsbühnen. Kaum einer hier wirkt fröhlich, am wenigsten die Musiker, die zur Unterhaltung der Meute aufspielen. Ausgerechnet dort haben wir, mitten auf der Strandpromenade, einen Platten. Und werden so unfreiwillig zur Attraktion, retten dutzende staunend Vorbeigehende für einen Moment aus der Monotonie der Erholung.

Ich kann mir das Lästern nicht verkneifen, das ist mein Ventil für den manchmal schwer zu ertragenden Anblick unterwegs. Doch eigentlich gibt es keinen Grund dazu. Haben wir doch unsere Velos und können, zumindest nach Beseitigung aller Pannen, jederzeit drauflos fahren, können im Wortsinn wegtreten. Und sind in kürzester Zeit raus, sind wieder irgendwo zwischen Wald und Wasser, sind on the road again, sind frei. Soll jeder seinen Urlaub verbringen wie er will.

Die Grenze zu Polen. Muss nochmal erwähnt werden, wie großartig es ist, hier ohne Kontrolle hinüber rollen zu dürfen, einfach so? Ja, in diesem Fall muss es erwähnt werden, denn ich hatte meinen Pass zu Hause vergessen. Ohne die Erfindung der Europäischen Union wäre die Reise hier zu Ende.

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Viel angenehmer als Ahlbeck und Heringsdorf ist Swinjoujscie auf polnischer Seite. Auch hier flanieren Touristen, und nicht wenige. Auch hier hübsche Häuschen mit Türmchen und Giebeln, aber sie kommen nicht so aufgetakelt daher wie in den Kurorten der Deutschen.

Vor der Kirche steht ein Denkmal für Jan Pawel II. Acht Jahre nach dem Tod des Papstes ist es bestückt mit tagesfrischen Blumen und brennenden Kerzen.

Wir verbringen einen herlichen Abend am Strand mit Räucherfisch und Bier, am Tag darauf geht es zurück. Im Übrigen bin ich der Meinung, Pfand gehört daneben.

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Foto: PW