Google-Schizophrenie

Google hat mich mal wieder gekriegt. Am Samstag habe ich spontan die neue Version der Übersetzer-App installiert. Die Übersetzungen selbst sind zwar weiterhin ziemlicher Murks – Grammatik können die Google-Algorithmen immer noch nicht. Die neue Bilderkennungs-Funktion finde ich trotzdem genial. Vor der Kamera hat man ja eher so was wie Schilder, Etiketten, Buchcover vielleicht. Die paar Wörter, die da drauf stehen, bekommt Google halbwegs hin. Und auch wenn Unsinn rauskommt, macht es großen Spaß:

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Dabei will ich Google-Produkte eigentlich gar nicht mögen. Ich habe mir vorgenommen, einen großen Bogen um sie zu machen. Ich nutze seit einiger Zeit kein Gmail mehr, verwende für Suchanfragen lieber Startpage und auf dem Telefon ein modifiziertes Android-System mit erweiterten Datenschutzoptionen.

Und dann gibt es immer wieder diese neuen Features, die unschlagbare Benutzerfreundlichkeit, die Eleganz, der Witz, die mich zurückziehen ins Google-Universum.

Meine Haltung gegenüber Google ist also ziemlich schizophren. Ein Teil von mir ist fasziniert und begeistert, würde gerne noch schnell Informatik studieren und in Mountain View nach einem Job fragen. Der andere Teil liest The Circle und sieht die Bedrohung eines Mehrfach-Monopolisten, der eine ganze Reihe Märkte dominiert und immer mehr Daten über uns alle anhäuft.

Big Data, deine Krankenkasse und die Freiheit spät ins Bett zu gehen

Kürzlich hat die Krankenversicherung Generali einen neuen Tarif vorgestellt. Dabei bekommen Kunden, die ein gesundes Leben führen, einen Rabatt auf ihren Beitrag. Dazu müssen sie ihre Ernährung, sportliche Aktivitäten und ähnliches mittels einer App an Generali melden. Aus diesem Anlass habe ich ein Interview mit Scott Peppet geführt. Peppet ist Jurist und Professor in der tollen Stadt Boulder, Colorado. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Zusammenspiel von Recht und Technologie und speziell mit dem Internet der Dinge. Wir haben uns über die Problematik einer Welt unterhalten, in der alles was wir tun vermessen, gespeichert und ökonomisch verwertet wird.

Gestoßen bin ich auf Peppet in einem Comic von Aljazeera über die überwachte Gesellschaft. Der Reporter reist darin als Comic-Held durch die Gegend und steht irgendwann auch bei Peppet im Büro, wo er sich dessen Theorien erklären lässt. Die ich wiederum ziemlich spannend fand. Mein Gespräch mit Peppet war dann auch sehr interessant. Comic wurde leider keins daraus, aber immerhin in Textform kann man unsere Unterhalt auf Süddeutsche.de nachlesen.